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Wer seine Bundeswehr-Stiefel regelmäßig pflegt, verlängert ihre Lebensdauer um Jahre, hält sie wasserdicht und spart sich den Neukauf. Trotzdem machen die meisten Träger mindestens einen der klassischen Pflegefehler – vom falschen Trocknungsort bis zum Griff zum Lederfett, das die Gore-Tex-Membran zerstört.
Diese Anleitung zeigt in fünf Schritten, wie du Glattleder-Stiefel (HAIX, Meindl, LOWA und ähnliche BW-Ausgabemodelle) korrekt reinigst, pflegst und imprägnierst. Ganz unten findest du einen Pflegeplan zum Abhaken – so vergisst du keinen Schritt.
Lege dir alles bereit, bevor du anfängst. Nichts ist ärgerlicher, als mit halbfertig eingecremt Stiefeln nach der Bürste suchen zu müssen.
Grundausstattung für die Stiefelpflege:
Eine weiche Schmutzbürste (zum Vorreinigen)
Ein weiches Baumwolltuch oder Lappen
BW Schuhcreme in der passenden Farbe (schwarz oder farblos)
Eine Auftragsbürste (kleiner, weicher)
Eine Polierbürste (mittlere Härte, für den Glanz)
Imprägnierspray (kein Fett, kein Öl – dazu gleich mehr)
Zeitungspapier oder Schuhspanner
Optional: Schnürsenkel zum Austauschen, frische Einlegesohlen
Wichtig: Für jeden Schuhcreme-Farbton eine eigene Auftragsbürste verwenden. Wer die schwarze Creme mit derselben Bürste aufträgt, die vorher farblose Creme hatte, riskiert Schlieren.
Jede Pflege beginnt mit der Reinigung. Schuhcreme auf schmutziges Leder aufzutragen ist der häufigste Fehler – die Creme arbeitet den Dreck ins Leder ein, statt es zu pflegen.
So gehst du vor:
Schnürsenkel herausnehmen und Einlegesohlen herausziehen. Beides separat reinigen. Schnürsenkel, die ausgefranst oder porös sind, direkt ersetzen. Dann die Sohle und den Absatz mit einer festen Bürste von eingetrocknetem Schlamm, Steinen und Erde befreien. Anschließend das Oberleder mit der weichen Schmutzbürste von oben nach unten abbürsten. Staub, Sand und lose Partikel müssen komplett runter.
Bei stärkerer Verschmutzung das Oberleder mit einem leicht angefeuchteten Tuch abwischen. Kein tropfnasses Tuch, kein fließendes Wasser direkt über den Stiefel. Nur so viel Feuchtigkeit, wie nötig ist, um den Schmutz zu lösen. Danach den Stiefel an der Luft trocknen lassen, bevor du mit Schritt 2 weitermachst. Auf feuchtes Leder aufgetragene Schuhcreme zieht nicht richtig ein.
Die Schuhcreme ist das Herzstück der Pflege. Sie hält das Leder geschmeidig, führt Fette und Wachse zurück und schließt feine Kratzer. Aber es gibt eine entscheidende Regel: dünn auftragen.
Eine erbsengroße Menge Schuhcreme auf die Auftragsbürste oder ein weiches Tuch geben. In kleinen, kreisenden Bewegungen gleichmäßig über das gesamte Oberleder verteilen. Besonders die Nähte, die Zunge und die Faltenzonen am Rist nicht vergessen – hier trocknet das Leder zuerst aus und reißt als Erstes.
Lieber zweimal dünn als einmal dick auftragen. Eine zu dicke Schicht trocknet nicht richtig, bildet eine klebrige Oberfläche und zieht Staub an, statt ihn abzuweisen.
Welche Schuhcreme? Für BW-Stiefel mit Gore-Tex-Membran ausschließlich die offizielle BW Schuhcreme oder vergleichbare fettfreie Cremes auf Wachsbasis verwenden. Laut Bundeswehr-Leistungsbeschreibung dürfen BW-Schuhcremes keine Mineralöle, Paraffinöle oder Hydrophobiermittel enthalten. Der Grund: Öle und Fette versiegeln das Leder und blockieren die Wasserdampfdurchlässigkeit der Gore-Tex-Membran. Die Membran wird dadurch funktionslos – Feuchtigkeit staut sich, die Füße werden nass und kalt, es entstehen Blasen.
Deshalb gilt als eiserne Regel: Kein Lederfett, kein Lederöl, kein Schuhfett, kein Sno-Seal, kein Ballistol auf Gore-Tex-Stiefeln. Auch kein Lederbalsam, der Öl enthält – immer die Inhaltsstoffe prüfen.
Die Schuhcreme 15 bis 20 Minuten einwirken lassen. In dieser Zeit dringt sie ins Leder ein und füllt die Poren.
Nach der Einwirkzeit den Stiefel mit der Polierbürste in schnellen, gleichmäßigen Strichen bearbeiten. Durch die Reibungswärme verteilt sich das Wachs in der Creme und bildet eine glatte, glänzende Oberfläche.
Technik: Immer in eine Richtung bürsten, nicht wild hin und her. Nicht zweimal hintereinander dieselbe Stelle bearbeiten – das erzeugt Abriebschäden und dunkle Flecken. Sobald die Bürste beim Drüberstreichen keinen Widerstand mehr zeigt, ist der Stiefel fertig poliert.
Wer will, kann anschließend mit einem weichen Baumwolltuch (ein altes T-Shirt funktioniert hervorragend) für den finalen Hochglanz nachpolieren. Das ist kein Pflichtschritt, macht aber optisch einen echten Unterschied – besonders vor einem Appell oder einer Inspektion.
Die Imprägnierung ist die Schutzschicht, die Regen, Schnee und Pfützen draußen hält. Auch hier gilt: Spray, kein Fett.
Ein Imprägnierspray für Glattleder aus 20 bis 30 Zentimetern Abstand gleichmäßig auf das gesamte Oberleder sprühen. Nicht einweichen, nur einen feinen Film auftragen. Besonders die Nähte, die Verbindung zwischen Oberleder und Sohle sowie die Zunge gründlich behandeln – das sind die klassischen Eintrittsstellen für Wasser.
Danach die Stiefel mindestens 12 Stunden trocknen lassen. Die Imprägnierung braucht Zeit, um sich mit dem Leder zu verbinden. Am besten abends imprägnieren und über Nacht stehen lassen.
Wie oft? Bei regelmäßigem Tragen (3 bis 5 Mal pro Woche) alle 2 bis 4 Wochen nachimprägnieren. Nach starkem Regen, Schnee oder Schlamm direkt nach der Reinigung. Im Sommer bei trockener Witterung reicht einmal im Monat.
Schnelltest: Ein paar Tropfen Wasser auf das Leder geben. Perlen sie ab? Dann ist die Imprägnierung noch intakt. Zieht das Wasser ein oder bildet einen dunklen Fleck? Zeit zum Nachimprägnieren.
Das Trocknen ist der Schritt, bei dem die meisten Fehler passieren. Die goldene Regel: Niemals auf der Heizung, niemals am Ofen, niemals im direkten Sonnenlicht trocknen.
Hohe Hitze trocknet das Leder aus, macht es spröde und brüchig. Die Nähte werden angegriffen, die Sohle kann sich lösen, und der Stiefel verliert seine Passform. Gore-Tex-Membranen reagieren empfindlich auf Temperaturen über 60 °C. So geht es richtig: Einlegesohlen herausnehmen. Die Stiefel mit zerknülltem Zeitungspapier ausstopfen (das Papier alle paar Stunden wechseln, es saugt die Feuchtigkeit auf). An einem trockenen, gut belüfteten Ort bei Zimmertemperatur stehen lassen.
Wer Schuhspanner aus Zedernholz hat: noch besser – sie halten die Form und ziehen Feuchtigkeit.
Trocknungsdauer: Durchnässte Stiefel brauchen 24 bis 48 Stunden, bis sie komplett trocken sind. Nicht abkürzen. Ein Stiefel, der außen trocken aussieht, kann innen noch feucht sein – das führt zu Schimmel und Geruch.
Für die Langzeitlagerung: Stiefel nach der letzten Pflege mit Schuhspanner oder Zeitungspapier ausstopfen und an einem trockenen, dunklen Ort aufbewahren. Nicht in Plastiktüten, da sich Feuchtigkeit staut. Alle 2 bis 3 Monate kurz nachcremen, damit das Leder nicht austrocknet.
Diese Fehler sieht man immer wieder – und sie kosten Stiefel die Lebensdauer:
Lederfett oder Schuhfett auf Gore-Tex-Stiefel: Versiegelt die Membran, zerstört die Atmungsaktivität. Nur fettfreie Schuhcreme auf Wachsbasis verwenden.
Schuhcreme auf schmutziges Leder: Die Creme arbeitet den Dreck ein, statt zu pflegen. Immer erst reinigen, dann cremen.
Stiefel auf der Heizung trocknen: Leder wird spröde, Nähte gehen auf, Sohle löst sich. Immer bei Zimmertemperatur trocknen.
Zu viel Creme auf einmal: Eine dicke Schicht trocknet nicht, zieht Staub an und verstopft die Poren. Dünn und gleichmäßig auftragen.
Imprägnierung vergessen: Die beste Schuhcreme schützt nicht vor Nässe. Regelmäßig nachimprägnieren, besonders an den Nähten.
Hier die Pflege-Routine auf einen Blick – zum Ausdrucken oder Abhaken:
Nach jedem Tragen:
Einlegesohlen herausnehmen und lüften
Groben Schmutz mit Bürste entfernen
Bei Nässe: Stiefel mit Zeitungspapier ausstopfen
Einmal pro Woche (bei täglichem Tragen):
Gründliche Reinigung mit feuchtem Tuch
Schuhcreme dünn auftragen
15 bis 20 Minuten einwirken lassen
Mit Polierbürste aufpolieren
Alle 2 bis 4 Wochen:
Imprägnierung auffrischen
Wassertropfen-Test durchführen
Schnürsenkel prüfen, bei Bedarf ersetzen
Alle 3 Monate:
Sohle auf Abrieb prüfen
Nähte kontrollieren
Einlegesohlen bei 30 °C waschen oder ersetzen
Die meisten aktuellen BW-Stiefel (HAIX, Meindl, LOWA) haben eine Gore-Tex- oder Gore-Crosstech-Membran. Die Pflege unterscheidet sich an einem entscheidenden Punkt:
Gore-Tex-Stiefel pflegt man ausschließlich mit fettfreier Schuhcreme und Imprägnierspray. Keine Öle, keine Fette, kein Wachs mit Paraffinanteil. Die Membran muss atmen können, sonst verliert sie ihre Funktion.
Reine Glattleder-Stiefel ohne Membran (alte BW-Modelle, Springerstiefel, Knobelbecher) dürfen hingegen mit Lederfett oder Bienenwachs behandelt werden. Hier ist die Versiegelung sogar erwünscht, weil es keine Membran gibt, die geschützt werden muss. Die Fettschicht übernimmt den Nässeschutz, den bei modernen Stiefeln die Membran leistet.
Im Zweifel: Wenn du nicht sicher bist, ob dein Stiefel eine Membran hat, nutze Schuhcreme und Imprägnierspray. Damit machst du bei keinem Stiefel etwas falsch.
Die richtigen Pflegeprodukte findest du bei uns im Shop – als BW-Fachhandel seit 1994 führen wir die originale BW Schuhcreme, Imprägniersprays und alles, was deine Stiefel brauchen.