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Die Bundeswehr wechselt ihr Tarnmuster. Ab 2026 wird Flecktarn schrittweise durch Multitarn ersetzt, bis 2029 soll die gesamte Truppe umgestellt sein. Gleichzeitig begegnet einem überall Multicam — auf Airsoft-Feldern, in Outdoor-Shops und bei NATO-Partnern. Aber was unterscheidet die drei Muster wirklich? Wo tarnt welches am besten? Und welches ist das richtige für dich?
Dieser Vergleich erklärt die technischen Unterschiede, die praktische Tarnwirkung und für welchen Einsatzzweck welches Muster die beste Wahl ist — ob für Dienst, Airsoft, Outdoor oder Jagd.
Das Fünffarb-Flecktarn ist das Tarnmuster, das die meisten mit der Bundeswehr verbinden. Es wurde Anfang der 1990er Jahre als Nachfolger des alten Splittertarns eingeführt und hat die Bundeswehr über drei Jahrzehnte lang begleitet.
Das Muster besteht aus fünf Farbtönen: Hellgrün, Helloliv, Dunkelgrün, Braun und Schwarz. Die Flecken sind relativ groß und bestehen aus kleinen Punkten, die ineinander übergehen. Das Prinzip dahinter nennt sich disruptive Tarnung: Die großen Farbflächen brechen die Körperkontur des Trägers auf, sodass das Auge keine menschliche Silhouette erkennt, sondern ein Muster aus Licht und Schatten.
Die Stärken von Flecktarn liegen im mitteleuropäischen Mischwald. In grüner Vegetation, bei Bodenbewuchs und unter dem Blätterdach eines Laubwalds funktioniert Flecktarn hervorragend. Die Farbgebung ist auf genau diese Umgebung optimiert — das satte Grün, das tiefe Braun und die schwarzen Schattenbereiche bilden einen dichten europäischen Wald im Frühling und Sommer nahezu perfekt ab.
Die Schwächen zeigen sich außerhalb dieses Idealgebiets. In offenem Gelände, auf Feldern, in Steinwüsten oder in städtischer Umgebung ist Flecktarn zu dunkel und zu grün. Das Schwarzpigment erzeugt auf hellen Hintergründen starke Kontraste, die das Muster eher hervorheben als verbergen. Im Herbst und Winter, wenn das Laub fehlt und der Boden braun wird, verliert Flecktarn einen Teil seiner Wirkung.
Ein weiteres Problem: Flecktarn wurde für das sichtbare Licht optimiert, nicht für Nachtsichtgeräte. Im Nahinfrarot-Bereich (NIR), den moderne Nachtsichtgeräte nutzen, verschwimmen die Farben des klassischen Flecktarns zu einer einheitlichen Fläche. Das bedeutet, dass ein Soldat in Flecktarn unter Nachtsichtbedingungen schlechter getarnt ist als im sichtbaren Licht.
Dennoch bleibt Flecktarn ein bewährtes, extrem robustes Muster für den europäischen Waldkampf. Und es hat einen praktischen Vorteil, der im zivilen Bereich zählt: Original-BW-Flecktarn ist seit über 30 Jahren am Markt, entsprechend groß und günstig ist das Angebot. Feldhosen, Feldjacken, Rucksäcke, Taschen und Zubehör in Flecktarn sind im BW-Surplus so weit verbreitet wie kein anderes Tarnmuster.
Multitarn ist das Tarnmuster, das Flecktarn in der gesamten Bundeswehr ablösen wird. Es wurde vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) entwickelt und ist seit etwa 2016 bei den Spezialkräften der Bundeswehr im Einsatz — beim Kommando Spezialkräfte (KSK) und den Kommando Spezialkräften der Marine (KSM). Ab 2026 wird es flächendeckend eingeführt, die Umrüstung soll bis Ende 2029 abgeschlossen sein.
Das Muster besteht aus sechs Farbtönen und verzichtet bewusst auf Schwarz. Statt harter Schwarz-Grün-Kontraste arbeitet Multitarn mit weicheren Übergängen zwischen Beige, Sand, Oliv, Grün und verschiedenen Brauntönen. Die Farbflächen sind kleiner und vielfältiger als bei Flecktarn, was dem Muster eine feinere, weniger blockartige Struktur gibt.
Der entscheidende Unterschied liegt im Einsatzspektrum. Multitarn wurde als universales Tarnmuster konzipiert — ein Muster für alle Einsatzgebiete. Es funktioniert im Wald, im offenen Gelände, in der Wüste und vor allem in urbaner Umgebung. Das war der ausschlaggebende Grund für die Umstellung: Die Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg haben gezeigt, dass moderne Gefechte zunehmend in bebautem Gelände stattfinden — Städte, Dörfer, Industriegebiete. In diesen Umgebungen mit ihren Beton-, Stein- und Stahlflächen versagt Flecktarn, weil es zu grün ist. Multitarn mit seinen Sand- und Beigetönen passt sich deutlich besser an.
Ein weiterer Vorteil: Multitarn wurde für das Nahinfrarot-Spektrum optimiert. Das bedeutet, dass die Tarnwirkung auch unter Nachtsichtgeräten erhalten bleibt — ein entscheidender taktischer Vorteil, den Flecktarn nicht bietet.
Außerdem löst Multitarn ein logistisches Problem. Bisher brauchte die Bundeswehr verschiedene Tarnmuster für verschiedene Einsatzräume — Fünffarb-Flecktarn für Europa und Dreifarb-Flecktarn (Tropentarn oder Wüstentarn) für Einsätze in Trockengebieten. Multitarn ersetzt beide Varianten durch ein einziges Muster, was die Beschaffung und Logistik erheblich vereinfacht.
Im zivilen Bereich ist Multitarn-Ausrüstung noch selten und teuer, weil der Markt gerade erst anfängt. Ob Original-BW-Multitarn in den kommenden Jahren als Surplus verfügbar sein wird, bleibt abzuwarten.
Multicam ist das kommerziell erfolgreichste Tarnmuster der Welt. Es wurde von der US-amerikanischen Firma Crye Precision in Zusammenarbeit mit dem US Army Soldier Systems Center entwickelt. Ziel war ein Muster, das in möglichst vielen Umgebungen, bei verschiedenen Lichtverhältnissen und zu allen Jahreszeiten funktioniert.
Das Muster arbeitet mit einer Mischung aus Grün-, Braun-, Beige- und Hellbrauntönen in fließenden, unscharfen Übergängen. Es gibt keine harten Kanten zwischen den Farbflächen — stattdessen verschwimmen die Farben ineinander, was einen optischen Tiefeneffekt erzeugt. Dieser Effekt ist der Kern des Multicam-Prinzips: Statt die Konturen des Trägers durch harte Farbblöcke aufzubrechen (wie bei Flecktarn), lässt Multicam den Träger mit dem Hintergrund verschmelzen.
Die US Army hat Multicam als OCP (Operational Camouflage Pattern) zum offiziellen Standardmuster gemacht, nachdem das vorherige Universal Camouflage Pattern (UCP) in grau-blau sich als wenig wirksam erwiesen hatte. Auch Großbritannien hat mit dem MTP (Multi-Terrain Pattern) eine auf Multicam basierende Variante eingeführt. Zahlreiche weitere NATO- und Nicht-NATO-Streitkräfte verwenden Multicam oder Ableitungen davon.
Die Stärke von Multicam liegt in trockenen und gemischten Umgebungen — Wüste, Steppe, felsiges Gelände, herbstlicher Wald. In diesen Szenarien ist die Tarnwirkung exzellent. Multicam hat außerdem eine ganze Familie von Varianten: Multicam Tropic (dunklere Grüntöne für tropische Wälder), Multicam Arid (heller, für Wüsten), Multicam Alpine (weiß, für Schnee) und Multicam Black (für Law Enforcement und Spezialeinheiten).
Die Schwäche zeigt sich im satten mitteleuropäischen Sommerwald: Multicam ist hier etwas zu hell und zu braun. Das Muster wurde für die Einsatzgebiete im Nahen Osten und in Afghanistan optimiert, wo Erdtöne dominieren. In einem deutschen Mischwald im Juni sticht es leicht hervor. Für Airsoft und Outdoor in Mitteleuropa ist das kein Drama — aber im direkten Vergleich tarnt Flecktarn im Wald besser.
Der große Vorteil von Multicam im zivilen Bereich: Es ist überall verfügbar. Hosen, Jacken, Westen, Plattenträger, Rucksäcke, Pouches — praktisch jeder Hersteller von taktischer Ausrüstung bietet seine Produkte in Multicam an. Die Auswahl ist riesig, die Verfügbarkeit sofort, und die Preise sind durch die hohe Stückzahl moderat.
Hier die drei Muster Seite an Seite, gemessen an den Kriterien, die in der Praxis zählen:
Anzahl der Farben: Flecktarn verwendet fünf (Hellgrün, Helloliv, Dunkelgrün, Braun, Schwarz). Multitarn verwendet sechs (Grüntöne, Brauntöne, Sand, Beige — kein Schwarz). Multicam verwendet ebenfalls sechs bis sieben (Grün, Braun, Beige, Hellbraun, Sand in fließenden Übergängen).
Bestes Einsatzgebiet: Flecktarn ist am stärksten im dichten mitteleuropäischen Wald. Multitarn glänzt in gemischtem Gelände und urbaner Umgebung. Multicam ist ideal in trockenem, offenem Gelände und Wüste.
Schwächstes Einsatzgebiet: Flecktarn versagt in urbaner und offener Umgebung. Multitarn hat leichte Schwächen im dichten Sommerwald (wo Flecktarn stärker ist). Multicam ist etwas zu hell für sattes mitteleuropäisches Grün.
NIR-Optimierung (Nachtsicht): Flecktarn bietet keine NIR-Tarnung. Multitarn ist vollständig NIR-optimiert. Multicam ist teilweise NIR-optimiert, je nach Hersteller und Variante.
Verfügbarkeit: Flecktarn ist als BW-Surplus massenhaft und günstig verfügbar. Multitarn ist aktuell noch selten und teurer, wird aber mit der BW-Umstellung zunehmen. Multicam ist weltweit breit verfügbar, große Produktauswahl.
Herkunft: Flecktarn ist ein Bundeswehr-Muster. Multitarn stammt vom Wehrwissenschaftlichen Institut WIWeB. Multicam ist eine kommerzielle Entwicklung von Crye Precision (USA).
Für den Dienst bei der Bundeswehr: Hier entscheidest nicht du, sondern die Truppe. Ab 2026 wird Multitarn ausgegeben. Wer noch Flecktarn-Bestände hat, kann sie tragen, bis die Umstellung greift.
Für Reservisten: Multitarn wird mittelfristig Standard. Bis dahin fährst du mit Flecktarn richtig, das du als Surplus günstig bekommst. Achte auf originale BW-Ware mit Versorgungsnummer und Abnahmestempel.
Für Airsoft und Milsim in Deutschland: Wenn du hauptsächlich in deutschen Wäldern spielst, ist Flecktarn nach wie vor die beste Wahl. Es tarnt im Wald besser als Multicam und ist als BW-Surplus spottbillig. Wer auf offenerem Gelände spielt oder ein US-Loadout aufbaut, greift zu Multicam. Für ein KSK-Loadout ist Multitarn die authentische Wahl, aktuell aber teurer.
Für Jagd und Outdoor: Für die Pirsch im Wald ist Flecktarn ideal. Für die Ansitzjagd mit Tarnnetz im offenen Gelände passt Multicam besser. Multitarn ist ein guter Kompromiss, wenn du in verschiedenen Geländetypen unterwegs bist.
Für Bushcraft und Survival: Hier zählt weniger die perfekte Tarnung als die Robustheit der Bekleidung. BW-Flecktarn ist die pragmatischste Wahl — günstig, massenhaft verfügbar, extrem strapazierfähig und in der Natur unauffällig genug.
Für Prepping und Krisenvorsorge: Flecktarn oder Multicam, je nach Umgebung. Wer in ländlicher Umgebung lebt, nimmt Flecktarn. Wer in der Stadt oder Vorstadt wohnt, fährt mit Multicam oder Multitarn besser — die helleren Erdtöne fallen in urbaner Umgebung weniger auf als das satte Grün von Flecktarn.
Für Fashion und Streetwear: Flecktarn hat sich als eigenständiger Style etabliert. Die Feldjacke in Flecktarn über einem schwarzen Hoodie ist ein Klassiker, der seit den 90ern funktioniert. Multicam wirkt urbaner und internationaler. Multitarn hat noch keinen eigenen Fashion-Moment — das kommt, wenn die Surplus-Bestände wachsen.
Ob original BW Multitarn Artikel im freien Handel erhältlich sein werden, bleibt aktuell abzuwarten
Kurzfristig gar nichts. Flecktarn verschwindet nicht über Nacht. Die Bundeswehr hat Millionen von Ausrüstungsteilen in Flecktarn im Bestand, die noch jahrelang im Umlauf sein werden. Im Gegenteil: Mit der Umstellung auf Multitarn wird Flecktarn-Surplus in noch größeren Mengen auf den Markt kommen, weil die Bundeswehr die alten Bestände abstößt.
Für Sammler könnte Flecktarn mittelfristig sogar interessanter werden. Was heute normaler Surplus ist, wird in zehn Jahren ein Stück Bundeswehr-Geschichte sein — so wie heute Splittertarn oder NVA-Strichtarn als Sammlerstücke gehandelt werden.
Für den praktischen Einsatz bleibt Flecktarn die günstigste und am breitesten verfügbare Option. Wer eine komplette Ausrüstung in Flecktarn aufbauen will — Feldhose, Feldjacke, Rucksack, Cap, MOLLE-Taschen — bekommt das aus BW-Originalbeständen für einen Bruchteil dessen, was ein Multicam- oder Multitarn-Loadout kostet.
Das beste Tarnmuster ist das, das zu deiner Umgebung passt. Flecktarn ist im deutschen Wald kaum zu schlagen. Multicam ist der vielseitigste Allrounder mit der größten Produktauswahl. Und Multitarn ist die Zukunft der Bundeswehr — ein wissenschaftlich optimiertes Muster, das in mehr Einsatzszenarien funktioniert als sein Vorgänger.
Für die meisten zivilen Anwendungen in Deutschland ist Flecktarn nach wie vor die pragmatischste Wahl: bewährt, robust, günstig und überall verfügbar. Wer mehr Vielseitigkeit will oder in unterschiedlichen Geländetypen unterwegs ist, fährt mit Multicam oder dem kommenden Multitarn besser.